In den letzten Wochen habe ich viel über moderne Filme, Heldenbilder und den Zustand unserer Kultur nachgedacht. Ausgangspunkt war eigentlich etwas Banales: die neue Besetzung von Superman. Doch sehr schnell ging es um viel mehr um Vorbilder, um „toxische Männlichkeit“, um Hollywood, um KI und letztlich um die Frage, was uns als Menschen eigentlich antreibt.


Helden meiner Jugend

Wenn ich an meine Kindheit und Jugend zurückdenke, dann waren es Figuren wie Rambo, der Terminator oder Ellen Ripley aus Alien, die mich geprägt haben.

Das waren keine perfekten Menschen. Aber sie waren stark. Nicht nur körperlich sondern in ihrer Haltung.

  • Sie trugen Verantwortung.
  • Sie hielten durch.
  • Sie redeten wenig aber wenn sie etwas sagten, hatte es Gewicht.

Diese Helden waren größer als ich. Und genau das war gut so. Sie sollten nicht mein Spiegelbild sein. Sie waren ein Ideal. Ich fühlte mich manchmal klein neben ihnen aber nicht entmutigt, sondern motiviert. Ich wollte stärker werden. Verlässlicher. Disziplinierter.

Heute wirken viele moderne Protagonisten gebrochen, fragil oder permanent mit sich selbst beschäftigt. Das klassische Bild vom Fels in der Brandung scheint aus der Mode gekommen zu sein. Statt Inspiration sehe ich oft Identifikation mit Schwäche.


Toxische Männlichkeit oder toxische Menschlichkeit?

Ein Begriff, der ständig im Raum steht, ist „toxische Männlichkeit“. Ich halte ihn für verkürzt. Rücksichtslosigkeit, Machtmissbrauch, Narzissmus das sind keine männlichen Eigenschaften. Das sind menschliche Schattenseiten. Frauen können genauso toxisch sein wie Männer.

Wenn Stärke grundsätzlich unter Verdacht steht, entsteht ein Problem. Mut, Schutzinstinkt, Leistungsbereitschaft das sind keine Krankheiten. Das sind Tugenden.

Ich habe den Eindruck, dass in vielen modernen Produktionen Stärke „dekonstruiert“ wird. Der klassische Vater wird inkompetent, der Anführer wird lächerlich gemacht, der stoische Held wird moralisch belehrt.

Vielleicht liegt darin ein Grund, warum sich vieles leer anfühlt.


Terminator, Alien und echte Bedrohung

Filme wie The TerminatorTerminator 2 oder Aliens Die Rückkehr hatten Gewicht. Die Bedrohung war real, die Atmosphäre düster und die Action sparsam, aber intensiv.

Man spürte, dass etwas auf dem Spiel stand. Verletzungen hatten Konsequenzen. Entscheidungen hatten Tragweite.

Heute fliegen Superhelden durch zehn Hochhäuser und stehen wieder auf, als wäre nichts passiert. Wenn nichts Konsequenzen hat, verliert alles Bedeutung.


Hollywood und die Leere

Ich habe das Gefühl, dass viele aktuelle Produktionen weniger aus Leidenschaft entstehen, sondern aus Kalkül. Reboots, Remakes, sichere Formeln. Dazu kommt eine sichtbare ideologische Komponente, die oft wie eine Checkliste wirkt.

Wenn Geschichten nicht organisch wachsen, sondern Botschaften transportieren sollen, verliert man als Zuschauer die Immersion. Man fühlt sich nicht ernst genommen, sondern belehrt.

Das Ergebnis: Ich gehe kaum noch ins Kino. Und wenn ich etwas streame, wirkt es häufig aufgesetzt.


KI als Befreiung oder als kultureller Kollaps?

Meine Hoffnung und gleichzeitig meine Sorge heißt KI.

Einerseits könnte KI das Monopol der großen Studios brechen. So wie YouTube einst das Fernsehen entmachtet hat, könnten Einzelpersonen bald Filme erschaffen, die sie selbst sehen wollen. Ohne ideologische Filter. Ohne Konzernvorgaben.

Doch es gibt eine dunkle Seite: Entwertung geistigen Eigentums, Massenproduktion ohne Seele und das Endloses Variieren alter Ideen.

Wenn alles kopierbar wird, wie monetarisiert man noch Originalität? Wie definiert man, ab wann etwas ein „Klon“ ist? Vielleicht entsteht eine Welt voller Inhalte aber ohne kulturelle Meilensteine.


Arbeit als Freiheit

Im Verlauf dieser Gedanken bin ich bei etwas sehr Persönlichem gelandet: meinem eigenen Antrieb.

Ich werde unzufrieden, wenn ich nicht arbeiten kann. Nicht im Sinne von „Geld verdienen“, sondern im Sinne von: etwas Sinnvolles tun. Ein Problem lösen. Verstehen, wie etwas funktioniert.

Ich programmiere gern, ich bastle mit Hardware und ich baue Lösungen auch wenn es schon Lösungen gibt. Nicht, weil ich muss. Sondern weil ich (verstehen und lernen) will.

Und da kam eine radikale Idee auf: Was, wenn wir irgendwann in einer Welt leben, in der Grundbedürfnisse gesichert sind? Kein Zwang. Keine Existenzangst. Und Arbeit wird freiwillig als Ausdruck von Neugier, Verantwortung und Beitrag zur Gemeinschaft.

Vielleicht wäre die neue Währung nicht Geld, sondern Reputation. Nicht „Was hast du?“, sondern „Was hast du beigetragen?“


Werden Menschen ohne Zwang faul?

Das ist die große Frage. Ich glaube: Manche ja. Andere nicht.

Ich kann nur von mir selbst ausgehen. Ich würde nach Projektabschluß am Strand in Italien und in den schneebedecken Gipfeln von Norwegen oder Kanada darüber nachdenken was hätte besser laufen können, was ich nun anders machen würde, meine Fehler analysieren, zukünftige Verbesserungen planen und schon wieder Lust auf das nächste Problem bekommen. Vielleicht ist das der eigentliche Motor des Menschen: Nicht Zwang. Sondern Meisterschaft.


Die Angst vor Ideenverlust

Meine größte Sorge bleibt der Verlust von Originalität. Schon jetzt erleben wir Reboots, Sequels und Variationen alter Formeln. KI könnte das beschleunigen. Eine Endlosschleife aus Wiederkäuen.

Doch vielleicht liegt die Hoffnung genau da, wo sie in der Games-Branche schon sichtbar ist: bei Indie-Projekten. Menschen, die etwas bauen, weil sie es selbst spielen wollen. Nicht wegen Marktanalysen.

Ich würde genauso anfangen: Ein Spiel entwickeln, das ich selbst spielen würde. Erst wenn andere es lieben, würde ich über Geld nachdenken.


Was bleibt?

Am Ende ging es nie nur um Superman. Es ging um Vorbilder. Um Integrität. Um den Wert von Arbeit.
Um die Angst, dass wir als Kultur oberflächlich werden. Und vielleicht auch um eine Sehnsucht: Nach Helden, die nicht zerbrechlich wirken, sondern tragfähig. Nach Geschichten mit Gewicht. Nach einer Gesellschaft, in der Kompetenz mehr zählt als Skrupellosigkeit.

Vielleicht ist „toxische Männlichkeit“ der falsche Begriff. Vielleicht sollten wir eher über „toxische Menschlichkeit“ sprechen über Egoismus, Machtgier und Bequemlichkeit. Und vielleicht liegt die Lösung nicht in Hollywood. Sondern in uns selbst. In der Entscheidung, stark zu sein. Verlässlich zu sein. Und etwas zu erschaffen, das Substanz hat.